Feuerwehrleute und Ordnungsamt aus dem Nordharz
kritisieren Leitstelle in Halberstadt
|10.07.2007|
   
 

Im geeinten Harzkreis gibt es die erste große Panne: Feuerwehren aus dem Nordharz kritisieren die Halberstädter Einsatzleitstelle. Diese alarmiere falsch und nicht ausreichend, zudem werde tagelang nicht auf Kritik reagiert. Nach einer gestrigen Krisensitzung im Kreis-Ordnungsdezernat wurde eine schnelle Abhilfe versprochen.

Halberstadt (Tom Koch - Volksstimme)

Nur einen Tag nach der Kritik von Feuerwehrleuten an der Einsatzleitstelle in Halberstadt reagierte die Kreisverwaltung sofort : Der Funkturm in Athenstedt wird technisch aufgerüstet. Mit stärkerem Sender und höher angebrachter Antenne sollen Alarmierungspannen bei den Feuerwehren künftig vermieden werden. Ein technischer Defekt, so Brandschutz-Amtsleiter Georg Türke gestern Nachmittag, werde derzeit als Ursache für die Probleme beim Wohnhausbrand in Reddeber angenommen.
Am Sonnabend war es der Halberstädter Leitstelle nicht gelungen, die Wehr aus dem Ort zu alarmieren. Glücklicherweise konnte die Wernigeröder Feuerwehr zum Löschen gerufen werden. Ingo Ge ricke, Chef des so genannten Brand abschnittes, nennt es " unverantwortlich, dass die seit Tagen bekannten technischen Probleme mit der Funkalarmierung nicht sofort behoben werden ". Zudem kritisierte der Feuerwehrmann die Arbeitsweise innerhalb der Leitstelle. Die strikte Aufgabentrennung dort zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr nennt Gericke " gefährlich ".

Gerhard Henze, Ordnungsamtschef in der Nordharzer Verwaltung, ist ebenfalls nicht gut auf die Alarmierungszentrale zu sprechen. In der Vorwoche wurde von Halberstadt aus die Wasserlebener Wehr zu einem Verkehrsunfallmiteinemeingeklemmten Insassen beordert, obwohl bekannt ist, dass zu ihrer Ausrüstung keine Rettungsschere gehört. Über solch ein Hilfegerät verfügt indes die Vecken stedter Feuerwehr, die nachträglich alarmiert werden musste. Seine Forderung an die Leitstelle, künftig anders zu alarmieren, blieb sechs Tage unbeantwortet. Da niemand bis gestern auf seine Mails und Anrufe reagierte, schloss Henze nicht aus, darüber die Staatsanwaltschaft zu informieren.

Damit tritt erstmals zutage dass sich die technische und inhaltliche Herangehensweise in den Leitstellen von Wernigerode und Halberstadt stark unterscheidet. In Wernigerode gab es ein Computerprogramm, das vor allem die Belange der Feuerwehralarmierung steuerte, den Rettungsdienst zusätzlich organisierte. In Halberstadt wurden in den Rechnern die Schwerpunkte genau entgegengesetzt programmiert.

Besserung ab August?
Da rund 80 Prozent aller Einsätze in der Leitstelle vom Rettungsdienst geleistet werden, auf den ersten Blick ein logischer Schritt. Nur, die 20 Prozent Feuerwehreinsätze erfordern im Ernstfall wegen einer Vielzahl von zu alarmierenden und zu führenden ehrenamtlichen Feuerwehren einen weitaus größeren Aufwand, heißt es aus Expertenkreisen.
Erschwerend kommt hinzu, dass in Wernigerode alle Mitarbeiter in der Leitstelle sowohl im Rettungsdienst- als auch im Brandschutz ausgebildet und somit für alle Einsätze zur Verfügung standen. In der Halberstädter Leitstelle gibt es einen speziellen Feuerwehr-Arbeitsplatz, der nur mit Mitarbeitern aus dem frühren Kreis Halberstadt besetzt wird. Dass die Wasserlebener Wehr also über keine Rettungsschere verfügt, konnte man in der Kreisstadt nicht wissen. Zumal das Wernigeröder Computerprogramm, das bislang genau festlegte, in welchem Einsatzfall welche Wehren zu rufen sind, frühestens Mitte August auch in Halberstadt laufen soll.

Übrigens, auch der fusionierte Rettungsdienst läuft nicht ohne Panne: Ein Rettungswagen wurde nach Ilsenburg beordert, der Patient wartete jedoch in Wernigerode, in der Ilsenburger Straße.

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